…nach Nah und Fern!
Nach meinem Reisemarathon von über 36h via Seoul bin ich hier in die USA eingereist. Aktuell wohne ich in einem Hostel an der Waikiki Beach und gewöhne mich nach über 4 Monaten Asienaufenthalt an den westlichen Lifestyle. Gestern habe ich mir eine lokale SIM Karte besorgt und heute hab ich mich in mehreren Bikeshops über die Preise von Velos erkundigt. Das beschaffen einer Prepaid SIM war für US-amerikanische Verhältnisse sehr einfach. Ausser meinem Vor- und Nachnamen brauchte ich nichts anzugeben, bezahlte $ 25.- Cash, damit ich das ganze auch entsprechend nutzen kann und schon verliess ich das Geschäft des Telekom Anbieters wieder -und es Funktioniert 🙂
Die Einreise am Flughafen war nach dem Visa-Marathon in Bangkok reine Routinesache. Einfach und vergleichsweise unkompliziert wurde ich am Zoll begrüsst. Die Dame musste bei Ihrem Officer nochmals auf Nummer sicher gehen, ob ich denn wirklich bei Ihr die Formalitäten abwickeln kann. Der Officer hat mich im Gegensatz zu den Touristen Asiatischer Herkunft an den Schalter für US-Passport gewunken. Am Schalter hakte die Dame dann nochmals nach, ob ich denn wirklich zur Schule gehe und was ich nach dem Aufenthalt in den Staaten machen würde. Mit der Antwort, dass ich zurück in die Schweiz gehe, um dort wieder zu arbeiten war sie zufrieden. Nach dem ich mein Gepäck vom Förderband geschnappt hatte (bevor die Drogen- oder Sprengstoffhunde es beschnüffelt hatten) reiste ich dann definitiv in Hawaii ein.
Der Bus zur Waikiki Beach war gerappelt voll, draussen stellte sich ein feiner Regen ein und drinnen war die Klimaanlage mindestens auf Gefrierpunkt eingestellt. Nach über einer Stunde Busfahrt kam ich dann endlich an der Haltestelle in der nähe des Hostels an.
Ich teile mir das Zimmer mit 7 anderen Frauen. Davon sind drei brasilianischer Herkunft, eine Polin, welche nach 3 Jahren Reise hier ihren letzten Aufenthalt vor dem Heimflug macht, die gebürtige 79ig jährige Tschechin Lidmila -die in Folge eines Aussprachefehlers des Parrers bei ihrer Taufe fortan nicht mehr „Ludmila“ sondern eben Lidmila heisst und Lena, eine ältere Dame aus Südschweden, die über einen kargen Englisch-Wortschatz verfügt. Das letzte Bett ausser mir ist stets von einer „Kurzaufenthalterin“ belegt und so haben wir fast täglich ein Ab- bzw. Neuzugang.
Die Stimmung ist locker und die Menschen unkompliziert. Das Flair hier auf der Insel Oahu gefällt mir, ich fühle mich sehr wohl! Es scheint mir recht amerikanisch zu sein und dennoch hat die Stadt Honolulu durch die vielen Immigranten aus Asien eine sehr durchmischte Bevölkerung. Natürlich mag ich es, dass es nahezu an jeder Ecke Sushi zu kaufen gibt und es viele Chinesische -und Japanische Restaurants überall in der Umgebung zu finden sind. Der Besuch der China-Town steht mir noch bevor. Ich nehme es gemütlich mit dem erkunden und Sightseeing machen, da ich ja aufgrund der Sprachschule ganze drei Monate in dieser Stadt leben werde.
Nach meinem langen Asienaufenthalt und dem geniessen der wunderbaren Strände auf Koh Phayam an der thailändischen Westküste, wirkt der Strand von Waikiki komplett überfüllt und unübersichtlich. Hier gibt es viele Surfer (Wellenreiter), nicht wenige, die sich „nur“ mit dem Body-Board von den Wellen an den Sandstrand tragen lassen und selbstverständlich viele (für meinen Geschmack zu viele) Sonnenbadende im Strand. Ich glaube der Strand ist stets gut besucht und da aktuell Bauarbeiten in Form von Abwasserleitungen verlegen stattfinden, ist der Platz für alle sonnenhungrigen entsprechend weniger geworden. Wer sich nun das ganze Romantisch vorstellt, den muss ich enttäuschen -Sonnenbaden neben/zwischen Baustellen ist nun wirklich nichts für ebensolche 😉
Was mir hier auffällt ist, dass es relativ viele Obdachlose gibt. Die schlurfen mehr oder minder besoffen mit Rucksack, Rollkoffer oder Einkaufswagen schiebend durch die Strassen. Da meine Unterkunft nicht direkt am Strand sondern an einer Nebenstrasse steht, kommen die „Heruntergekommenen“ entsprechend häufig hier vorbei. Auffallend ist, dass es nicht Menschen einer asiatischen Ethnie sind, sondern Männer mit offensichtlich europäisch/amerikanischer Abstammung. Gestern hat mich einer von ihnen vor dem Hostel angequatscht und erzählte mir von seinem Leid. Soviel ich von seinem breiten, undeutlich akzentuierten amerikanischen Englisch verstehen konnte, ist er über beide Ohren verschuldet und die Bank hat sein Haus gepfändet. Angeblich war sein Oldtimer-Pickup alles, was er noch besass und weil alles gepfändet war, konnte er nur die Anzahlung von $ 500.-, die er bei dessen Verkauf bekam, behalten. Bevor er abgehauen ist, hat er im Suff mit einem Baseballschläger die Autoscheiben zerstört -so dass der Käufer wohl einen kleinen Minderwert des Wagens in Kauf nehmen musste. Wie er allerdings nach Hawaii kam ist mir ein Rätsel. Ich habe ihn gefragt, ob er hergeschwommen sei, dies hat er verneint, da er unmöglich so weit schwimmen könne. Nun, wie viel an der Geschichte wahr ist, weiss ich nicht -da darfst auch du als Leser mitfantasieren.
Ich freue mich, dass ich hier bald zur Schule gehen kann und endlich meine Hirnzellen wieder etwas füttern! Es wird nicht alles einfach einfach sein, da ich mir ein ehrgeiziges Ziel gesteckt habe, was das Abschlussdiplom betrifft. Auf jeden Fall werde ich mir den Arsch aufreissen und mit dem Advanced in English Certificate in der Tasche meine Rückreise nach Europa antreten.
Bis bald, Susan
P.S. Das schreiben in Deutsch fällt mir nicht mehr so leicht wie auch schon -zu beginn dieses Beitrages hab ich mich dabei ertappt, dass ich mir die Sätze auf Englisch im Kopf zurechtlegte…
Hi, du Abenteuerin! Es freut mich sehr, dass es dir gut geht. ich war auch schon mal auf Honolulu, einige Sachen hab ich noch im Gedächnis, aber vieles wird sich auch schon verändert haben!
ob deutsch oder englisch, viel spaß, viel erfolg und bleib gesund!
hang loose
lg Nina & Ginger (Kosovo)
liebe Susan. Herzlichen Dank für deinen in Deutsch geschriebenen Bericht….
Nur weiter so, sonst musst du wieder Deutsch schreiben lernen wenn du nach Hause kommst 😉
Viel Erfolg beim lernen und gönn dir doch ab und zu mal eine freie Zeit…
Alles Liebe Sabine
Hi Susan,
Danke für deinen interessanten Bericht. Wenn es dir leichter fällt, schreibe den Text doch in Englisch. Wer Englisch versteht liest ihn so, die andern lassen ihn von ihrem PC übersetzen.
Herzlichst aus der Fleischgasse Leni