Meine erste Woche als Student

Meine erste Woche als Schüler einer Englischklasse ist bereits verstrichen. Der Einstieg war hammerhart und während des Einstufungstests am vergangenen Montag hätte ich am liebsten den ganzen Bettel hingeschmissen! Ich hatte mich für`s CAE (Certificate in Advanced English) angemeldet, weil ich glaubte, dass das FCE zu wenig sei für mich -ich erinnere mich, wie ich damals zu Stephan sagte, dass ich wegen des FCE nicht aus dem Haus gehen würde (gell Stee…). Da sitze ich nun im Klassenzimmer zusammen mit meinen potentiellen Klassenkameraden und brüte über Texten, die ich kaum verstehe, muss mittels Multiple choice die bestmögliche Antwort finden und zum Nachtisch gibt’s noch eine Testsequenz über CD. Das heisst, wir müssen ein Interview mithören und dann auf dem Papier die richtigen Antworten ankreuzen. Diese letzte Übung war einfach zuviel nach rund 4 Stunden Einstufungstest und ich hatte das letzte Teilstück einfach verpasst! Plötzlich sagte die Stimme aus dem Lautsprecher, dass wir nun noch 3min (oder sowas) Zeit haben, die Antworten einzutragen und dann das Blatt abgeben müssen. Im Glauben, dass ich eh schon verloren hatte, kreuze ich auf gut Glück ein paar Antworten an und gebe das Blatt deprimiert dem Lehrer ab. Komplett geschafft und hundemüde hänge ich in der Lounge, bis wir das Testergebnis bekommen. Dort lese ich, dass ich zum Interview mit dem Schulmanager muss… anstelle von Klasseneinteilung. Ich würd mich glatt aus dem Staub machen, hätte ich nicht tausende von Franken dafür investiert. Garantiert. Das Gespräch mit dem Manager stellte sich dann glücklicherweise viel milder dar, als von mir angenommen. Ich habe die minimale Punktzahl von 45% zur Aufnahme in den CAE Kurs um 3% verpasst und muss deswegen ein Dokument unterzeichnen, dass ich wohl etwas mehr büffeln muss, als diejenigen, die halt mehr als 45% erreicht haben. Von da an war und ist die Welt wieder in Ordnung! Ich habe den Sprung in die CAE Klasse geschafft, wenn auch als “Borderliner”. Diese fehlenden drei Prozent zum Minimum machen mir zur Zeit keine Sorgen, schliesslich habe ich jetzt ja noch 11 Wochen Zeit, mich auf die Prüfung vorzubereiten. Dennoch, das Level ist hoch und es gilt einiges in den Kopf zu bringen, zumal ich ja nie wirklich Englischunterricht hatte. Meine Gabe, Sprachen schnell zu lernen, hilft mir bestimmt dabei 🙂

Die Schule absorbiert viel Zeit und die Hausaufgaben auch, doch ein kleines “Rahmenprogramm” brauche ich dennoch. So habe ich mir letzte Woche endlich ein Velo gekauft und nachdem ich es mit einer neuen Hinterbremse habe versehen lassen kann ich auch unbedenklich rumsausen. Mehr oder weniger jedenfalls. Es ist durchaus als Selbstmörderisch zu betrachten, wenn man sich als Biker auf einer vierspurigen Strasse wiederfindet. Es gibt sogar in Honolulu einige markierte “Velowege” -vorwiegend der Universität entlang. Und oh Wunder, um zur Schule zu kommen muss ich an der Universität vorbei. So kann ich grösstenteils auf dem “Veloweg” in die Schule und zurück fahren. Diese Woche will ich dann endlich eine Yogaschule finden und regelmässig meine Übungen machen. Ich brauche dringend Ausgleich zum Studium -da reicht das biken nicht aus.

Meine Gastfamilie ist überaus herzlich und hilfsbereit. Es ist schön, hier zu wohnen -wenn auch die Räumlichkeiten sehr gewöhnungsbedürftig sind. Das Haus ist RIESIG! Im untersten Stock lebt die älteste Tochter von meinen Gasteltern mit Ihrem Mann und deren Sohn. Im mittleren Stock sind meine Gasteltern und die Grossmutter zu Hause. Und im obersten Stock wohnen neben mir zwei Freunde meiner Gasteltern (die haben je ein Zimmer gemietet) und zwei weitere Sprachschülerinnen. Petra aus Brasilien und Daniela aus der Schweiz. Der oberste Stock hat einen separaten Hauseingang, die fünf Zimmer und eine spartanische Küche mit Kühlschrank, Mikrowelle und Toaster. Ich hatte mich schon geärgert, dass es nichtmal einen Wasserkocher gibt -doch den habe ich dann in einer Schublade der Küchenkombination ausgegraben und erfreut sich seither über regen Gebrauch. Dieser Wohntrakt im obersten Stock war wohl mal eine Wohnung, aus der jetzt zusätzliche Zimmer gemacht wurden. Und dies sind die Zimmer der Sprachschüler. Es gibt in keinem der Zimmer Türen, die wirklich geschlossen sind. Das darf man sich folgendermassen Vorstellen. Die Türen haben so “Lamellen” (wie bei einem Rollo -oder wie auch immer dieser Sicht/Lichtschutz für Fenster heisst) und entsprechend gut hört man, wenn jemand draussen vorbei geht oder in einem anderen Zimmer telefoniert wird. Daran werde ich mich wohl gewöhnen, vermutlich viel mehr als an das ultrakurze Bett, in dem ich schlafe. Das ist definitiv weniger als 180cm lang und ich mag es nicht sonderlich, wenn meine Füsse nicht im Bett drin sind. Aber jetzt hab ich keine andere Möglichkeit und muss mich damit abfinden -obwohl es mir schwer fällt. Denn wirklich entspannend ist das nicht. Sollte es mir dann wirklich zu bunt werden mit dieser Couch (es ist ein Bettsofa) werde ich mir beim Walmart eine Luftmatratze kaufen.

Heute habe ich Schulfrei, weil auf Hawaii Feiertag ist. Ich habe mich mit einer Amerikanerin verabredet, mit der ich vor 3 Wochen das Zimmer in Waikiki geteilt habe. Sie ist damals frisch nach Hawaii bzw. Honolulu gezogen und hat im Backpacker gewohnt, bis sie ihre private Unterkunft hatte. Wie es der Zufall wollte, sind wir uns letzte Woche auf der Strasse wieder begegnet. Da wir beide Frei haben, verabredeten wir uns ziemlich spontan zum wandern im Manoa Valley.

8 Gedanken zu “Meine erste Woche als Student

  1. Liebe Susan, schon wieder ein Monat vorbei. Wie läuft es bei Dir? Bist Du schwer am Büffeln oder hält sich das Lernen in Grenzen? Hast Du auch noch Zeit für anderes? Wie macht sich Eure WG? Ich stelle mir eine WG ohne wirkliche Rückzugmöglichkeiten als sehr anstrengend vor.
    Hier bemüht sich der Frühling. Wobei, ich bin immer wieder überrascht, dass die Bäume plötzlich grün sind, obwohl es doch immer regnet und kühl ist. Aber was interessiert das die Natur? Meine Gemüsepflänzchen wollen aber tatsächlich nicht. Schuld könnte ja das Wetter sein (dem immer die Schuld zuschiebbar ist). Oder doch eher weil ich ihnen zuwenig schaue?
    Liebe Susan, ich hoffe, dass es Dir gut geht, Du fkeissig lernst und gute Erfahrungen und Erlebnisse machst und dass ich Dich irgendwann in diesem Jahr wieder einmal zu sehen bekomme…
    liebe Grüsse auch von Rüdiger
    Herzlich
    rachel

  2. @Rachel, die Ausdauer beim büffeln werd ich gut gebrauchen können, danke. Und auch merci für die Grüsse von Ruedi äh Rüdiger. Ich gratuliere und heisse den neuen Staatsbürger in Helvetien herzlich willkommen. Und Eigenheimtechnisch wird das so bald nichts -solange ich immer wieder mein Erspartes für meine Trips ausgebe 😉
    Wir hatten am Montag 1A Wanderwetter erwischt und es entsprechend genossen. Die Trails sind nur halbwegs gut ausgeschildert und daher haben wir den Rundtrip irgendwie einfach nicht hinbekommen. Wir sind mehrmals an einer Strasse wieder aus dem Urwald herausgekommen und fanden keinen Anschlussweg. Das bedeutete, dass wir über den selben modrig nassen Weg zurück mussten. Ich fands überhaupt nicht schlimm -meine amerikanische Gefährtin war etwas enttäuscht. Weil es so nass war, waren dreckige Schuhe und schwarze Unterschenkel garantiert und das Gefühl in intakter Natur zu sein auch. Da will ich wieder hin. Big hug, susan

  3. und um es nicht wieder zu vergessen – ganz liebe Grüsse von Rüdiger. Inzwischen ist er Schweizer und ich müsste ihn vielleicht Ruedi nennen….

  4. Liebe Susan,
    poah, Hut ab. Du machst da etwas sehr anspruchvolles. Ich wünsche Dir viel Spass und Ausdauer beim Lernen, Büffeln, Ächzen und Stöhnen.
    So ein Rollo als Türersatz ist wohl wirklich gewöhnungsbedürftig. Aber stell Dir vor, Du gewöhnst Dich tatsächlich daran – wieviel Geld könntest Du sparen beim Bau eines Eigenheims? Naja, es lohnt wohl nicht.
    Wie war die Wanderung ins Manoa Valley?
    herzlich Rachel

  5. @susanne, danke für deine aufmunternden Worte. Bei Stephan läufts ja ziemlich ähnlich, das sind eben die Cambridge Programme. Und den Spass an Hawaii werd ich mir durch die Schule nicht verderben lassen 🙂 Lg

  6. @Axel, danke, ich werd mir den Spass an Hawaii nicht verderben lassen. Und Woche 2 hat ja mit einem Feiertag begonnen, so schlimm kanns also nicht sein, oder so…

  7. hallo susan , das hat aber grad happig begonnen bei dir in der schule !!! :0
    zum glück bist du eine kämpferin und lässt dich nicht so leicht unterkriegen 😉 !
    ich glaube , stephan ist es nicht viel anders ergangen .
    mach dich nicht verrückt , gib einfach dein bestes und das muss genügen !!!
    schliesslich lebt man nur 1x , jawohl !
    interessant wie du wohnst , da erlebst du ja so einiges …. dafür kannst du dich so richtig auf deine eigene nächste wohnung freuen , wenn du dann wieder im berufsleben stehst 🙂 !!! liebe grüsse susanne

  8. Viel Spass. Der Einstieg ist immer schwer. Mir kam das bei meinem Franz Kurs in Lyon auch so vor. Nimm einfach das Buch an den Beach mit. Freue mich schon auf Woche 2 und folgende.

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