{"id":1702,"date":"2016-01-23T13:40:08","date_gmt":"2016-01-23T12:40:08","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.elmeri.ch\/?p=1702"},"modified":"2017-12-30T19:03:01","modified_gmt":"2017-12-30T18:03:01","slug":"der-gute-alte-baikal","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.elmeri.ch\/?p=1702","title":{"rendered":"Der gute alte Baikal"},"content":{"rendered":"<p>Endlich war es soweit. Ich kam am sp\u00c3\u00a4ten Abend im -32\u00c2\u00b0 C kalten, schneeweissen Irkutsk an. Meine Gastgeberin hat mich freundlicherweise am Bahnhof abgeholt. Nach einer kurzen Begr\u00c3\u00bcssung ging Sie mir \u00c3\u00bcber schneebedeckte Trottoirs voran. Ihr Haus ist gl\u00c3\u00bccklicherweise ganz in der N\u00c3\u00a4he des Bahnhofs. Dennoch, Sie wohnt etwas erh\u00c3\u00b6ht auf einem H\u00c3\u00bcgel, quasi direkt oberhalb des Bahnhofes. Ich zog meinen Rucksack (welcher Rollen hat) hinter mir durch den Schnee. \u00c3\u0153ber die matschige Strasse und dann geschultert die Treppen hoch. Verschneite Treppen mit ungleich hohen Stufen. Anfangs drohten mir meine Finger einzufrieren, doch bereits nach der ersten Treppe war mir so warm, dass ich den Reissverschluss meiner Jacke etwas \u00c3\u00b6ffnen musste. Aufgrund der eisigen Temperaturen begann mein Hals zu kratzen (durch die Nase atmen ging ja nicht, weil die Nasenl\u00c3\u00b6cher jeweils den Eindruck erweckten, zusammenzufrieren). Was war ich froh, als wir dann die warme Wohnung betraten! So nebenbei, die Russen pflegen Ihre Wohnr\u00c3\u00a4ume im Winter auf 25\u00c2\u00b0 C zu heizen, also genau meine Betriebstemperatur.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/blog.elmeri.ch\/wp-content\/uploads\/2016\/01\/img_20160118_113226.jpg\" alt=\"img_20160118_113226.jpg\"\/>&nbsp;<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"4160\" height=\"2336\" alt=\"img_20160118_150338.jpg\" src=\"https:\/\/blog.elmeri.ch\/wp-content\/uploads\/2016\/01\/img_20160118_150338.jpg\" title=\"Street in Itkutsk\" class=\"size-custom\"\/><span class=\"edit-container\"><span class=\"edit-overlay\"><span class=\"edit-content\">Edit<\/span><\/span><\/span><br \/>\nAm n\u00c3\u00a4chsten Tag, ich glaube es war Montag, ging ich mich zu Fuss \u00c3\u00bcber die Br\u00c3\u00bccke des dampfenden Angara Flusses in die Stadt. Ich wusste schon, dass es ein ordentlich langer Fussmarsch werden w\u00c3\u00bcrde. Dass ich jedoch zweimal einkehren musste, um etwas heisses zu trinken, h\u00c3\u00a4tte ich nicht gedacht. Meine Gastgeberin sollte recht behalten, indem Sie mir sagte, dass meine Ledergef\u00c3\u00bctterten(!) Schuhe nicht f\u00c3\u00bcr den sibirischen Winter geeignet waren. Der Grossteil der Menschen, denen ich auf den Strassen begegnete trugen dicke Pelzstiefel. Vermutlich aus Rentier. Quasi ein Unisexmodell, welches etwas klobig daher kommt und am Stiefelrand traditionellerweise Verzierungen hat. Da wurde mir klar, dass ich ein Paar von diesen Stiefeln brauche. Immerhin wusste ich wo der Markt war, und da sollte sich bestimmt sowas finden lassen. In einem Kaufhaus fand ich dann &#8220;das Objekt der Begierde&#8221;. Nicht nur in Mitteleuropa ist es schwierig passende Schuhe in Gr\u00c3\u00b6sse 42 zu finden, auch in Sibirien ist die Auswahl in diesen Dimensionen beschr\u00c3\u00a4nkt. Schlussendlich gabs genau ein Paar dieser schwarzen Fellstiefel, welche an meine F\u00c3\u00bcsse passen, als h\u00c3\u00a4tten sie auf mich gewartet. Da ich ja praktisch keine schwarzen Kleider besitze, h\u00c3\u00a4tte ich ja lieber ein Paar &#8220;nicht schwarze&#8221; gehabt. Aber was solls?!? Ich dr\u00c3\u00bcckte ein Auge zu und kaufte f\u00c3\u00bcr umgerechnet Fr. 70.- meine wahrscheinlich w\u00c3\u00a4rmsten Winterschuhe ever. Und dass die schwarze Farbe die W\u00c3\u00a4rme der Sonne besonders gut annimmt und mir dadurch ein wohlig warmes Gef\u00c3\u00bchl an den F\u00c3\u00bcssen beschert, sollte ich am n\u00c3\u00a4chsten Tag am vereisten Ufer des Baikals begreifen.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/blog.elmeri.ch\/wp-content\/uploads\/2016\/01\/img_20160119_103430-1.jpg\" alt=\"img_20160119_103430.jpg\"\/><br \/>\nJa, am Dienstag stand dann also mein lang ersehntes Rendez-vous mit dem guten alten Herrn Baikal an. Diesmal ersparte ich mir den knapp einst\u00c3\u00bcndigen Fussmarsch durch das St\u00c3\u00a4dtchen Irkutsk und fuhr bequem mit dem Tram zum Marktplatz. Gl\u00c3\u00bccklicherweise kann ich mir die Buchstaben des Kyrillischen Alphabetes einigermassen merken und suchte nach dem Minibus nach Lystvianka. Dieser eine Minibus stand genau vor mir, als ich den Busbahnhof betrat. Nachdem ich mich beim Fahrer versichert habe, dass es der richtige Bus ist, quetschte ich mich in den schrottreifen Minibus. Einmal tief Luft holen und dann die Beine zusammenklappen, damit ich diese m\u00c3\u00b6glichst Platzsparend f\u00c3\u00bcr andere Passagiere parkieren kann. Nach etwa 40 Minuten Wartezeit bei laufendem Motor ging die Fahrt dann endlich los. Nach asiatischer Manier fuhr der Herr Chauffeur nonstop telefonierend mit dem hoffnungslos untermotorisierten Bus richtung Lystvianka los. Eine knappe Stunde sp\u00c3\u00a4ter konnte ich durch die vereisten Fenster im Nebel den dampfenden See ausmachen.<br \/>\nEin eisiger Wind blies mir um die Ohren, als ich dem Bus entstieg. Die Kaputze bis zum &#8220;Anschlag&#8221; \u00c3\u00bcber die Stirn gezogen, die seidenen Isolatonshandschuhe unter den eigentlichen Hansdschuhen montiert und als Schutz f\u00c3\u00bcrs Gesicht ein Kopftuch bis \u00c3\u00bcber die Nase hochgezogen. Ich f\u00c3\u00bchlte mich kuschelig warm und spazierte dem See entlang. Das Wasser dampfte wie auch der Fluss in Irkutsk. Da und dort trieb der Wind eine einzelne Eisscholle vor sich her. Der See ist im S\u00c3\u00bcden noch nicht gefroren. Ich hatte den Eindruck, dass dieser sich mit aller Kraft gegen den drohenden Eisdeckel wehrt. Eine urt\u00c3\u00bcmliche Ruhe und zufriedenheit \u00c3\u00bcberkam mich, als ich mich am Ufer dieses weltweit gr\u00c3\u00b6ssten Trinkwasserreservoirs aufhielt. Ich genoss die frische, kalte Luft, die Ruhe. Der Nebel, welcher ab und zu ein paar w\u00c3\u00a4rmende Sonnenstrahlen durchliess rundete diese mystische Stimmung wunderbar ab. Nat\u00c3\u00bcrlich kehrte ich nicht nach Irkutsk zur\u00c3\u00bcck, ehe ich nicht einen Omul gegessen hatte. Dieser Fisch ist endemisch im Baikalsee und geh\u00c3\u00b6rt in die Familie des Lachses.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/blog.elmeri.ch\/wp-content\/uploads\/2016\/01\/img_20160119_131902.jpg\" alt=\"img_20160119_131902.jpg\"\/><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/blog.elmeri.ch\/wp-content\/uploads\/2016\/01\/img_20160119_131057.jpg\" alt=\"img_20160119_131057.jpg\"\/><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/blog.elmeri.ch\/wp-content\/uploads\/2016\/01\/img_20160119_131106.jpg\" alt=\"img_20160119_131106.jpg\"\/><\/p>\n<p>Gem\u00c3\u00bctlich schlenderte ich nach dem wunderbar s\u00c3\u00a4ttigenden Mittagessen zur Bushaltestelle, wo einer dieser Minibusse wartete. Diese R\u00c3\u00bcckfahrt war um einiges angenehmer als die Hinfahrt, da dieser Fahrer sich auf die Strasse konzentrierte und uns alle behaglich und sicher nach Irktusk fuhr.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Endlich war es soweit. Ich kam am sp\u00c3\u00a4ten Abend im -32\u00c2\u00b0 C kalten, schneeweissen Irkutsk an. Meine Gastgeberin hat mich freundlicherweise am Bahnhof abgeholt. Nach einer kurzen Begr\u00c3\u00bcssung ging Sie mir \u00c3\u00bcber schneebedeckte Trottoirs voran. Ihr Haus ist gl\u00c3\u00bccklicherweise ganz in der N\u00c3\u00a4he des Bahnhofs. 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