{"id":1605,"date":"2016-01-18T16:57:21","date_gmt":"2016-01-18T15:57:21","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.elmeri.ch\/?p=1605"},"modified":"2017-12-30T20:52:07","modified_gmt":"2017-12-30T19:52:07","slug":"angekommen-im-russischen-winter","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.elmeri.ch\/?p=1605","title":{"rendered":"Angekommen im russischen Winter"},"content":{"rendered":"<p>Ein herzliches Danke an dieser Stelle f\u00c3\u00bcr die vielen positivien Reaktionen auf meinen letzten Beitrag! Ich habe mich \u00c3\u00bcber alle Kommentare und pers\u00c3\u00b6nlichen eMails gefreut, wenn auch ich letztere noch nicht alle pers\u00c3\u00b6nlich beantwortet habe!<\/p>\n<p>Im Flugzeug von Z\u00c3\u00bcrich nach Moskau sass eine Moskauerin mit Ihrem Mann direkt neben mir. Sie sah mein Buch mit dem Titel &#8220;In den W\u00c3\u00a4ldern Sibirens&#8221; von Sylvain Tesson (<a href=\"http:\/\/youtu.be\/9-CxXrRieCM\">Hier gehts zur Videodokumentation<\/a>)&nbsp;welches ich zu ende lesen wollte. Sie fragte mich in bestem Englisch, ob ich nach Sibiren reisen w\u00c3\u00bcrde? Ein l\u00c3\u00a4cheln huschte \u00c3\u00bcber meine Lippen als ich Ihre Frage bejahte. Sie glaubte Ihren Ohren nicht zu trauen&#8230; Es w\u00c3\u00a4re sehr kalt dort, gab Sie zu bedenken. Und als sich im weiteren Gespr\u00c3\u00a4chsverlauf herausstellte, dass ich mit der Transsibirischen Eisenbahn dorthin reisen will, wurde ich mit allerhand Ratschl\u00c3\u00a4gen zugetextet. Diese waren etwa folgender Natur: Im Zug gibt es keine Duschen, und das willst du dir wirklich antun? Und in Irkutsk ist es derart kalt, dass der Baikalsee gefroren ist um diese Jahreszeit. Und die Z\u00c3\u00bcge seien Uralt und schmutzig und \u00c3\u00bcberhaupt, du alleine als FRAU?!? Gef\u00c3\u00a4hrlich! &nbsp;Bei solchen Aussagen kann ich mir die Gegenfrage nicht verkneifen und fragte Sie, ob Sie denn die Strecke zum Baikal schon mit dem Zug gefahren sei? Sie verneint. Das dauere viel zu lange, mit dem Zug dorthin zu fahren. Und \u00c3\u00bcberhaupt m\u00c3\u00bcsste ich im Sommer dorthin, dann sei es viel weniger kalt. Ich liess den Dialog mit dem Gleichmut eines Reisenden \u00c3\u00bcber mich ergehen und freute mich auf mein einmaliges Abenteuer.<\/p>\n<p>Ob die &#8220;Ratschl\u00c3\u00a4ge&#8221; nun gutgemeint oder einfach aus Besserwisserei entstanden sind, wird sich nie kl\u00c3\u00a4ren. Interessanterweise decken sich die Aussagen mit solchen aus der Heimat. Wo mir eine Bekannte k\u00c3\u00bcrzlich gesagt hat, dass die Russen das ignoranteste, lauteste und r\u00c3\u00bccksichtsloseste Volk seien. Auch damals hatte ich nachgefragt, ob Sie denn selbst Russland bereist habe, dass Sie derart gut Bescheid wisse. Auch da stellte sich heraus, dass diese Person nie in Russland war und Ihre Ausf\u00c3\u00bchrungen auf einen Strandurlaub am Mittelmeer zur\u00c3\u00bcckf\u00c3\u00bchrte. Dort musste Sie wohl in der Hotelanlage in Kontakt mit Neureichen Russen und deren Nebenwirkungen gewesen sein. Ich erkl\u00c3\u00a4rte Ihr dann das Ph\u00c3\u00a4nomen &#8220;Neureiche Russen&#8221; und diese sich \u00c3\u00bcberall auf der Welt durch ihr ignorantes Auftreten negativ auffallen (ich meinerseits kenne solche Geschichten aus Thailand). Hiermit will ich sagen, ich \u00c3\u00bcber gen\u00c3\u00bcgend Reise -und Lebenserfahrung verf\u00c3\u00bcge, dass ich mir solche Geschichten mit einem Schmunzeln anh\u00c3\u00b6re und meine Reise trotzdem antrete. Getreu meinem Motto: Wer es nicht ausprobiert, wird nicht Wissen wie es &#8220;in der anderen Welt&#8221; ist.&nbsp;<\/p>\n<p>Und so uneingenommen ich von einem Volk in aller Regel bin, so habe ich mich auf die Russen und das transsibirische Abenteuer gefreut und ich habe bis Heute wirklich nur gute Begegnungen und Erfahrungen zu verzeichen.<\/p>\n<p>Etwas aufgeregt wartete ich viel zu fr\u00c3\u00bch bei -18 Grad Celsius am Bahnhof &#8220;Yaroslavski&#8221; in Moskau, dass der Transsibirische Zug bereitgestellt wurde. Endlich war dieser auf Gleis 3 eingetroffen und die T\u00c3\u00bcren ge\u00c3\u00b6ffnet. Es brauchte einiges, bis ich beim richtigen Wagen war und dort wurde vor dem einsteigen mein Pass und Ticket mit der Passagierliste von der Provodnica (Kondukteurin) skeptisch gepr\u00c3\u00bcft und schlussendlich f\u00c3\u00bcr gut befunden, so dass ich an Bord des warmen Waggons gehen durfte. Da die Planm\u00c3\u00a4ssige Abfahrt um 00.35h war, machte ich es mir alsbald auf meiner Liege bequem. Die erste Nacht hatte ich das ganze 4er Abteil f\u00c3\u00bcr mich. In den n\u00c3\u00a4chsten Tagen kam dann und wann jemand dazu und stieg wieder aus. Ein reges kommen und gehen. Allerdings so ruhig, dass ich bei Nacht nichtmal etwas vom &#8220;Passagierwechsel&#8221; im Abteil mitbekam.&nbsp;<\/p>\n<p>Die Landschaft zog dahin, die Tage auch. Vorbei an endlosen Birkenw\u00c3\u00a4ldern, scheinbar verfallenen D\u00c3\u00b6rfern und verschneiten Steppenlandschaften. Ein wirklich romantischer Anblick diese Weite, das zu dieser Zeit weisse Land. Stunden habe ich am Fenster gestanden oder gesessen und einfach nur den Anblick der Landschaft genossen. Etwa zwei Stunden vor der Ankunft in Irkutsk -schon ordentlich sibirisch- sah ich Tiere auf einem verschneiten Feld &#8220;grasen&#8221;. Anf\u00c3\u00a4nglich konnte ich nicht genau erkennen, worum es sich dabei handelt. Als der Zug dann an den Tieren vorbei fuhr, erkannte ich eine Herde wilder Pferde. Es m\u00c3\u00bcssen an die 30 Tiere gewesen sein, welche in der bitteren K\u00c3\u00a4lte auf einem Feld, welches der Wind halbwegs Schneefrei gefegt hatte, auf Nahrungssuche waren. Diese Beobachtung hat mich tief beeindruckt!<\/p>\n<p>In den sp\u00c3\u00a4ten Abendstunden kam ich dann gestern Sonntag bei -31Grad C in Irkutsk an. Der Schnee unter meinen F\u00c3\u00bcssen knirschte, die Ausatmungsluft der Menschen am Perron h\u00c3\u00bcllte beinhae den Zug in Nebel und meine Nasenl\u00c3\u00b6cher drohten zusammenzufrieren, wenn ich die klirrend kalte Luft zu schnell durch die Nase &#8220;einsog&#8221;. Eine d\u00c3\u00bcnne Mondsichel schimmerte durch den dunstig, nebligen Himmel und ein leichter Niesel schien mit seinen Schneekristallen die Welt verzaubern zu wollen. Ich empfand pures Gl\u00c3\u00bcck und tiefe Dankbarkeit, dass ich diesen Moment erleben durfte. Der Moment war, so wie nach Hause kommen. Nach Hause an den Ort wo man hingeh\u00c3\u00b6rt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein herzliches Danke an dieser Stelle f\u00c3\u00bcr die vielen positivien Reaktionen auf meinen letzten Beitrag! Ich habe mich \u00c3\u00bcber alle Kommentare und pers\u00c3\u00b6nlichen eMails gefreut, wenn auch ich letztere noch nicht alle pers\u00c3\u00b6nlich beantwortet habe! Im Flugzeug von Z\u00c3\u00bcrich nach Moskau sass eine Moskauerin mit Ihrem Mann direkt neben mir. 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